Projekte der Kommission


Von den Projekten der Kommission sind von den folgenden in Zukunft weitere Ergebnisse zu erwarten, teilweise handelt es sich um die Fortsetzungen bereits vorliegender Teilveröffentlichungen.

–– Handbuch der Geschichte Ost- und Westpreußens, begr. v. Ernst Opgenoorth. Vor- und Frühgeschichte sowie die Zeit des Deutschen Ordens werden Gegenstand des Bd. 1 sein, der ebenfalls in zwei Teilen vorgelegt werden wird.

–– Altpreußische Biographie, Bd. 5, bearb. v. Klaus Bürger. Auch mit dem Vorliegen der ersten beiden Teile des fünften Bandes sind immer noch nicht alle für die Geschichte des Preußenlandes wichtigen Persönlichkeiten erfaßt. Eine Fortsetzung ist vorgesehen.

–– Preußisches Urkundenbuch, Bd. 6, Lf. 3, bearb. v. Klaus Conrad (†). Für die Texte aus dem zweiten Regierungsjahrzehnt des berühmten Hochmeisters Winrich von Kniprode wird nach dem Tod des Bearbeiters ein Nachfolger gesucht. Die Weiterführung für das dritte Jahrzehnt Winrichs von Kniprode (Bd. 7) ist inzwischen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz aufgenommen worden.

-- *Virtuelles Preußisches Urkundenbuch*. Das seit 1882 erscheinende gedruckte "Preußische Urkundenbuch" wird mit seinem in Bearbeitung befindlichen Band 7 die Urkunden bis zum Jahre 1382 erschließen. Da eine Fortsetzung noch nicht absehbar ist, wird beim Historischen Seminar der Universität Hamburg eine elektronische Sammlung der Urkundentexte aus den Jahren 1382-1525 geführt, die bisher an versteckter Stelle gedruckt und daher schwer zu benutzen sind.

–– Die mittelalterlichen Siegel des Historischen Staatsarchivs Königsberg, bearb. v. Klaus Conrad (†). Der langjährige Urkundenbuchbearbeiter hat eine auch kunsthistorisch bedeutsame Quellensammlung hinterlassen, die besonders für die Außenbeziehungen des Deutschen Ordens interessant sein wird.

–– Editon des Elbinger Kriegsbuchs (1383-1409), bearb. von Dieter Heckmann und Krzystof Kwiatkowski. Seit dem 19. Jahrhundert bemühte sich die Forschung, das für den lückenlosen Nachweis der Kriegsführung des Deutschen Ordens in den letzten drei Jahrzehnten vor der Schlacht bei Tannenberg so wichtige Buch zu edieren. Haupthinderungsgrund war bislang die begleitende prosopographische Aufarbeitung der rund 2000 gestellungspflichtigen Elbinger. Das Buch enthält die Aufgebotslisten für die Alarme, Landwehren und Kriegsreisen. Die vermögenden Bürger dienten entweder persönlich oder stellten Ersatzleistungen. Die dafür angelegten Listen spiegeln das Ergebnis einer ausgeklügelten Buchführung zum Zweck der gleichmäßigen Lastenverteilung wider.

–– Die Schuldbücher und Rechnungen der Großschäffer und Lieger des Deutschen Ordens, bearb. v. Jürgen Sarnowsky. Dies ist ein langfristiges Vorhaben, das die unvollständige Ausgabe von Carl Sattler (1877) ersetzen soll. Geplant sind vier Bände, die in Kooperation mit dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und dem Hansischen Geschichtsverein veröffentlicht werden. Band 1 und 3 sind inzwischen erschienen.

–– Die preußischen Landesordnungen der frühen Neuzeit, bearb. v. Ernst Manfred Wermter, Thomas Berg, Everhard Kleinertz u. Werner Thimm (†). Dieses wichtige Quellenwerk zur Verfassungs- und Sozialgeschichte des geteilten Preußenlandes benötigt noch einen Lesartenabgleich, die Einleitung zum herzoglichen Anteil und die aktualisierende, abschließende redaktionelle Bearbeitung der Manuskripte der verschiedenen Bearbeiter.

–– Studenten der Universität Königsberg 1829 bis 1921/22, bearb. v. Klaus Bürger. Im Anschluß an die bis zum Jahr 1829 reichende Matrikel-Edition der Universität Königsberg wird diese für die Sozial- und Gelehrtengeschichte wichtige Quelle in absehbarer Zeit auch für Königsberg vorgelegt werden können, wobei die verschollene Matrikel durch andere Quellen ersetzt wird.

–– Edition des Protokollbuchs der Philosophischen Fakultät der Albertus-Universität Königsberg 1916-1944. Diese aus der jüngsten Königsberger Universitätsgeschichte einzigartige Quelle wird von Christian Tilitzki bearbeitet und vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert, eine Veröffentlichung ist durch die Göttinger Akademie der Wissenschaften vorgesehen.

–– Gewerbegeschichte Ostpreußens vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Friedrich-Wilhelm Henning (1931-2008) hat ein umfangreiches Manuskript unvollendet und ein Quellensammlung hinterlassen. In einem vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Vorprojekt hat Rikako Shindo mit den Vorbereitungen für eine spätere Veröffentlichung begonnen.

Die fehlenden Mittel der Kommission haben dazu geführt, daß schon in der Vergangenheit wichtige Projekte anderweitig untergebracht werden mußten. Daß es sich dabei um besonders hochrangige Unternehmen handelt, liegt auf der Hand:

–– Historisch-geographischer Atlas des Preußenlandes, hg. v. Hans Mortensen, Gertrud Mortensen, Reinhard Wenskus, Helmut Jäger. Dieses Werk, das ebenfalls an ein Vorkriegsunternehmen anschließt, nunmehr mit bescheidenerer Konzeption, wurde zunächst von der DFG, zuletzt von der Bund-Länder-Kommission bei der Göttinger Akademie der Wissenschaften gefördert, ehe es nach Lieferung 15 abgebrochen wurde, ohne daß das Programm abgeschlossen war, Lieferung 11 ist ohnehin nur zur Hälfte vorgelegt worden. Hier wäre dringend einer neuer Anlauf nötig.

–– Einige Editionsvorhaben aus dem Arbeitsgebiet unserer Kommission hat, weil es die Kommission mit ihren fehlenden Mitteln nicht in Angriff nehmen konnte, der Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen übernommen. Dieser hatte schon den Neudruck der Kommissionszeitschrift "Altpreußische Forschungen" durchgeführt - dank der Initiative des Kommisionsmitgliedes Reinhold Heling. Genannt seien die größten Vorhaben, nämlich das Einnahmeverzeichnis des Landkastens des Herzogtums Preußen ("Türkensteuerregister") von 1540 sowie die friderizianische Landesaufnahme von 1772/73.